Zählung in den Winterquartieren

Jedes Jahr im Februar zählt Carsten Harrje überwinternde Fledermäuse in ehemaligen Luftschutzstollen im Kieler Stadtgebiet. Die meisten Stollen sind verschlossen, aber mit Lüftungsrohren versehen, durch die die Fledermäuse im Herbst einfliegen, um die Stollen im Frühjahr wieder zu verlassen.

Die alten Luftschutzstollen werden bevorzugt von Wasserfledermäusen genutzt, nur vereinzelt sind einige Langohr-Fledermäuse darunter zu finden. Die Zahl der überwinternden Fledermäuse nimmt im langjährigen Mittel ständig zu, was sich mit unseren Zahlen aus den Sommerquartieren deckt. Dies zeigt den hohen Nutzen der Stollen für den Fledermausschutz in Kiel, denn ohne sichere Winterquartiere hätte das Angebot zusätzlicher Sommerquartiere nicht viel Sinn.

Besonders entgegenkommend für die Fledermäuse ist die Bauweise der Stollen. Die Gänge wurden mit Betonrippen abgestützt, aber meist nicht weiter abgedichtet. Die meisten Tiere bevorzugen die Spalten an der Decke, nutzen aber auch die an den Seitenwänden. Viele Tiere suchen sich ihren Schlafplatz gleich auf den ersten Metern hinter den Einfluglöchern, aber selbst ganz am Ende der Stollen finden sich noch einzelne Fledermäuse, so daß für eine Zählung alle Gänge komplett durchleuchtet werden müssen.

Einige Stollen weisen nicht die bei den Fledermäusen beliebte Bauart auf, aber dann gibt es immer noch genügend andere Möglichkeiten, die sich mit Hilfe der Echo-Ortung leicht finden lassen. Sicherlich entgeht ein gewisser Teil der Fledermäuse der Zählung, weil sich nicht alle Spalten komplett ausleuchten lassen.

Besonders in den feuchteren Bereichen der Gänge sind viele Fledermäuse zu finden, z.B. dort wo Wasser von der Decke tropft. Das Fell dieser Wasserfledermaus ist mit Tautropfen überzogen, was ein wirksamer Schutz gegen das Austrocknen der empfindlichen Flughaut ist. Neben der hohen Luftfeuchtigkeit ist die Temperatur wichtig, die in allen Bereichen der Stollen das ganze Jahr über fast immer genau 9 Grad beträgt.

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